Dienstag, 9. Dezember 2008

Populationsgenetik für Taubenväter (Teil 11)


Ich muss zugeben, ich bin ein Schnorrer. Alle paar Wochen schnorre ich die bereits gelesenen Exemplare der Zeitschrift "Die Brieftaube", die mein Vater noch regelmäßig bezieht. Für mich kam ein Bezug der "Zeitschrift für Brieftaubenkunde", wie sie sich traditionsbewußt auch heute noch nennt, seit meinem Wiederbeginn 2006 nicht in Frage.

Zum Einen, da ich sie ja so schön bei meinem Vater schnorren kann, zum Anderen, da sie leider ihrem eigenen Anspruch, eine brieftaubenkundliche Zeitschrift zu sein, nur selten gerecht wird. Zu häufig, insbesondere im Herbst verkommt sie zu einem Lobbyistenblatt der verschiedensten Lager im Verband, und auch die jährlich inhaltsgleichen Artikel zu Themen wie "Versorgung in der Mauser", "Vorbereitungen zur Zucht", "Versorgung und Behandlung der Jungtauben",... brauch ich nur in einfacher Ausführung, und nicht immer wieder aufs neue lesen.

Doch in der Nummer 45/08 überraschte mich ein Artikel mit dem Titel "Wie züchtet man richtig?" Und der Autor des Artikels schien akademisches Gewicht mit in die Waagschale zu werfen: Prof. Dr.-Ing. Gerhard Wächter. Nur hätte ich mir allerdings gewünscht, dass die Redaktion der Zeitschrift ihre Leser darüber aufklärt, ob die akademischen Titel des Autors im Zusammenhang mit einer Tätigkeit im Tierzüchtungsbereich erworben wurden, oder statt dessen z.B. im Bau chemischer Reaktoren. Eine solche Information wäre angesichts der Strahlkraft eines Professorentitels nicht gerade unwichtig, denn allzuleicht, könnte der Leser geneigt sein, seine Kritikfähigkeit über Bord zu werfen, da es sich ja schließlich um einen Professor handelt.

Nun, ich bin kein Professor, und in der Tat habe ich als Chemiker wohl über chemische Reaktionen mehr Ahnung, als über Tierzüchtung. Dennoch möchte ich ein paar kritische Anmerkungen zu diesem Artikel machen, da er ja einer der seltenen Artikel ist, die sich mit dem Thema "Züchten von Brieftauben" vor dem Hintergrund der Populationsgenetik befassen:

Zunächst einmal erkennt man in dem Artikel die akademische Arbeitsweise, wie sie z.B. an Hochschulen üblich ist: Schreibe nichts, für das du keine Quelle angeben kannst, oder das du nicht selber durch Forschung herausgefunden bzw. gezeigt hast. Als sehr positive Folge davon gibt der Autor dem Leser eine umfangreiche Liste von gut verständlichen Literaturstellen über die Züchtung von Brieftauben an die Hand, die alleine schon Lob verdient. Denn selbst, wenn nicht alle Literaturstellen auf dem letzten Stand der Dinge sein mögen, oder inhaltlich sogar mittlerweile widerlegt, so ist es immer ratsam, solche Dinge gelesen zu haben, damit man sich eine fundierte Meinung bilden kann.

Und so stellt der Artikel eine relativ gute Zusammenfassung mancher Thesen dieser Quellen dar, so dass auch ein lesefauler Mensch etwas davon hat. Doch vor dem Hintergrund, dass der Autor hier ein Professor ist und mit der Überschrift signalisiert, er wolle eine Antwort auf die Frage nach dem "richtigen" Zuchtweg geben, ist das blosse zitieren von zum Teil veralteten Quellen, die in der Mehrzahl keine wissenschaftlichen Arbeiten darstellen, sondern persönliche Meinungen der jeweiligen Autoren vertreten, eindeutig zu wenig.

Es ist sogar gefährlich, denn allzuleicht könnte der Leser seiner Antwort auf diese Frage den Status einer wissenschaftlichen Erkenntnis geben, die ja richtig sein muss, wenn schon ein Professor das schreibt. Seine Antwort auf die Frage aus der Überschrift (Zitat: "Reisetauben mit überduchschnittlichen Leistungen resultieren nach den Erfahrungen nur aus Kreuzungen in Linie gezüchteter Stämme"), und seine weiteren Aussagen zu geschlechtsgebundenen Effekten etc. sind jedoch tatsächlich in dieser Form alles andere als eine erwiesene allgemeingültige wissenschaftliche Erkenntnis und wiederum nur eine persönliche Meinung des Autors, die nur wenig mit dem tatsächlichen Stand der Erkenntnisse zu diesem Thema gemein hat.

Konkret:
Der Autor stellt sehr gut dar, dass Inzucht in Kombination mit entsprechender Selektion geeignet ist, Linien von unerwünschten Eigenschaften zu reinigen und andere gewünschte Eigenschaften zu verankern. Auch der Hinweis, dass bei der Kreuzung von zwei Inzuchtlinien die gewonnene F1 Generation (die direkten Kinder) als Hybride oft über eine Bastardstärke verfügen, die unter der Bezeichnung Heterosis-Effekt bekannt ist, entspricht sicher den Tatsachen. Und sein Hinweis, dass die Wege der Nutzgeflügelzucht wie z.B. das Halten und Führen von zwei getrennten Inzuchtlinien, die dann zur Züchtung von Gebrauchskreuzungen in der F1 Generation genutzt werden, für Brieftaubenzüchter kaum realisierbar sind, weil sie zu große Bestände erfordern, ist meiner Meinung nach sehr gut und sogar wichtig an dieser Stelle. Doch viele Schlußfolgerungen die der Autor zieht, sind leider auch aufgrund ihres Absolutheitsanspruches falsch.

Die Aussage, Heterosis würde nur auftreten, wenn mindestens einer der zwei in einer Paarung zusammenkommenden Stämme ingezüchtet wurde, ist falsch. Heterosis ist vielmehr ein allgemeiner Begriff in der Populationsgenetik, der die Leistungszunahme einer Zuchteigenschaft beschreibt, die beim Kreuzen (meist) nicht verwandter Linien oder Stämme auftritt. Wenn die Nachkommen einer solchen Kreuzung in der beobachteten Zuchteigenschaft über der Leistung der jeweiligen Eltern liegen, entspricht diese Mehrleistung dem sogenannten Heterosis-Zuwachs (siehe hierzu z.B. Comberg, Leibenguth und andere Lehrbücher der Populationsgenetik). Dass die elterlichen Linien ingezüchtet sein müssen, ist jedoch keine Voraussetzung für das Auftreten von Heterosis!

Heterosis ist vielmehr in der Zunahme der Heterozygozität des Genoms der Kreuzungskinder gegenüber den Eltern begründet. Diese tritt sicherlich bei der Kreuzung von ingezüchteten Linien oft auf, doch auch bei anderen Paarungen, wie z.B. dem "wilden kreuzen" völlig unverwandter Einzeltiere, die ihrerseits bereits aus derartigen Verpaarungen hervorgegangen sind, kann diese Zunahme auftreten. Ja, es ist sogar noch nicht einmal ausgeschlossen (wenn auch viel unwahrscheinlicher), dass sie bei der Verpaarung von miteinander verwandten Tieren auftritt.

Der Heterosis-Zuwachs hingegen fällt bei der Kreuzung von ingezüchteten Linien meist deutlich höher aus, als bei der Kreuzung von Tieren, die ihrerseits bereits Kreuzungsprodukte darstellen. Doch daraus läßt sich jedoch nicht schließen, wie es der Autor leider fälschlicher Weise tut, das die Leistung des Zuchtproduktes einer solchen Zwei-Inzuchtlinien-Kreuzung höher liegen muß, als die der "wilden Kreuzung". Warum? Nun, nicht der Leistungszuwachs ist die entscheidende Größe, sondern das absolute Niveau der Leistung. Durch Inzuchtdepression könnten die Inzuchtlinien beispielsweise in unserer beobachteten Eigenschaft im Laufe der Generationen von 100 auf 90 "Qualitätspunkte" abgefallen sein. Die Kreuzung der beiden Linien würde z.B. Nachwuchs mit 105 Qualitätspunkten bringen. Der Heterosis-Zuwachs wäre also mit 15 Qualitätspunkten erheblich. Doch könnte der Nachwuchs aus zwei nicht ingezogenen Eltern mit jeweils 100 Punkten ebenfalls bei 105 Punkten landen! Der Heterosiszuwachs wäre geringer, das Ergebnis jedoch gleich stark.

Und das dem tatsächlich so ist, wissen nicht nur alle gut informierten Taubenzüchter, sondern es zeigen auch die unzähligen Stammbäume von As-Tauben und Leistungsträgern. Man schaue sich z.B. nur die Stammbäume des Schlages Koopman an. Als Ausgangsbasis wurden hier im wesentlichen zwei in der Tat ingezüchtete Ausgangslinien gewählt: Janssen und van Loon Tauben. Und die Kreuzungstauben der F1 Generation, wie z.B. der Eric oder der Beatrixdoffer zeigten herausragende Leistungen. Doch dem Ansatz des Autors folgend sollte der Nachwuchs der F2 Generation und die Mehrzahl des Nachwuchses der späteren Generationen eine schlechtere Leistung bei Koopman gezeigt haben, da sie jeweils keine ingezüchteten Tauben sind. Tauben wie der Gentil, der Jacco und sehr viele andere sogar nationale As-Tauben bei Koopman beweisen bis in die Gegenwart das Gegenteil!

Also: Die Aussage des Autors, dass vorhergehende Inzucht und spätere Kreuzung besseren Reisetauben bringen, als andere Zuchtwege ist nicht nur wissenschaftlich nicht haltbar, sondern auch zigtausendfach durch die Praxis widerlegt. Für die Bastardstärke ist lediglich ein hoher Heterozygotiegrad wichtig, woher auch immer dieser kommen mag!

Darüber hinaus ist aber nicht allein Bastardstärke wichtig für eine sehr gute Reisetaube, sondern auch die hohe "Dichte" von guten Genen im Erbgut des jeweiligen Tieres. Denn es gibt Eigenschaften, wie z.B. die Vitalität (oder auch die Legeleistung bei Hühnern) die an der Bastardstärke hängen, und es gibt Eigenschaften, die dies nicht oder nur in geringem Maße tun, sondern an additiven Genwirkungen liegen.

Dies führt denn auch zum nicht auflösbaren Grundkonflikt in der Zucht von Brieftauben, der es so spannend macht und eine eindeutige Antwort auf die Eingangsfrage des Autors verhindert:
Für das konzentrieren von additiven Eigenschaften wäre eine hohe Anreicherung der entsprechenden positiven Gene wünschenswert, welches aber auch zu einer Zunahme von Homozygotie führen kann. Für die Bastardstärke ist hingegen eine möglichst hohe Heterozygozität des Genoms erstrebenswert.

Und so gibt es in der Folge auch in beiden "Welten", Inzucht und Kreuzung, hervorragende Zuchtpaare und Zuchttauben. So stellen der berühmte "Figo" von Reynaert oder die "Daisy" der Stieneckers starke Inzuchtprodukte dar, welche dennoch absolute Spitzenleistungen erbrachten. Hier hat die Inzucht wohl zur Anreicherung der positiven Gene geführt, ohne aber dabei rezessive negative Gene herauszuspalten (zur Homozygotie dieser zu führen). Dadurch ist eine Kreuzung dieser Inzuchtiere mit anderen, nicht verwandten Tieren, welche mögliche homozygote "Schadgene" wieder aufgehoben hätte, nicht nötig gewesen, um Top-Leistungen zu erzielen. Auf der anderen Seite ist der "Kleinen" von Vandenabeele ein absolutes Kreuzungsprodukt, und schon seine Eltern waren Kreuzungen. Er erbrachte selber schon sehr viele sehr gute Flieger, wie den Wittenbuik, den Turbo, den Picanol,... (was man ja auf die Bastardstärke seiner ebenfalls in Kreuzung gezüchteten Kinder zurückführen könnte), doch er und auch sehr viele seiner Kinder und Enkel wurden noch besserere Vererber, der Kleinen selbst könnte sogar einer der besten Vererber gewesen sein, die der Taubensport bis heute gesehen hat. Und dass, obwohl ihm und den meisten seiner Kinder direkt keine Inzucht vorausgegangen ist. Beim Kleinen waren also trotz der vielen Kreuzungen im Vorfeld die sehr guten Gene extrem konzentriert!

Glück und Zufall sind eben sehr wesentliche Faktoren in der Zucht sehr guter Reisetauben. Daher kann die "ideale" Zuchtstrategie nur eine sich stetig am Bestand und der Situation angepassende Strategie sein, die auf die Mittel Kreuzung und Inzucht zurückgreift, ohne sklavisch an nicht fundierten Schemata festzuhalten.

Über all dieses hinaus verweist der Autor mehrfach auf geschlechtsgebundene Effekte, in dem er z.B. schreibt: "Die Täubin ist entscheidend". Und er führt das "Bruce Lowe'sche Gesetz" an, bzw. verweist auf Vansallen, der dem Wechsel zwischen den Geschlechtern bei einer Zuchtlinie eine Bedeutung zumisst. Alle drei Punkte sollten ebenfalls nicht unkommentiert bleiben:

Bruce Lowe, ein Australier, der im 19. Jahrhundert die Pferdezucht durch die Einführung des Familiennummersystems strukturiert hat, hat ein Schema formuliert in dem er vorschlägt, wie bei Pferden Familienzucht betrieben werden sollte. Dieses Schema zum "Gesetz" zu erheben, das darüber hinaus auch noch Gültigkeit bei Brieftauben haben soll, ist nicht nur nicht nachzuvollziehen, sondern sehr unwissenschaftlich.

Der Autor postuliert, dass aufgrund der Tatsache, dass das Geschlecht bei Vögeln durch die Weibchen übertragen wird, zur Erhaltung der Eigenschaften eines Stammtieres in die Mutterlinie zurückgepaart werden müsse. Verständlich wird diese Äußerung, durch den späteren Verweis auf Vansallen. Jedoch geht es hierbei nicht um die Frage, ob bestimmte Chromosomen überhaupt auf die Nachfahren übertragen werden, sondern um die Frage, ob man dem Übertrag eines der beiden väterlichen Z-Chromosomen nach der Paarung gesichert "folgen" kann.

Bis heute ist nicht geklärt welche und wie viele
Gene auf den geschlechtsbestimmenden Chromosomen der Taube sitzen, und es stellt nur eines von insgesamt 40 Chromosomen im Genom jeder Taube dar. Nach dem Unabhängigkeitsgesetz Mendels werden alle anderen 39 von 40 Chromsomen unabhängig von diesem einen vererbt. Welchen Sinn sollte es also machen eine Zuchtstrategie auf nur einem Chromosom von 40 auszurichten? Die Aussage, dass das Zurückpaaren in die Mutterlinie notwendig sei, um die (man beachte die allgemeine Formulierung!) Eigenschaften eines Stammtieres zu erhalten, ist sachlich falsch! Auf allen 40 Chromosomen der Tauben sind Eigenschaften kodiert und da nützt es nichts insbesondere das Geschlechtsbestimmende zu "verfolgen", denn von den anderen 40 Chromosomen des Stammtieres werden bei jeder Paarung bestimmt einige auf der Strecke bleiben.

An dieser Stelle zitiert der Autor darüber hinaus Vansallen (von dessen sehr guten Büchern und Artikeln ich übrigens ein großer Fan bin). Doch in der zitierten Quelle unterlag auch Vansallen der Versuchung bei der Konzentration auf die Nachvollziehbarkeit der Vererbung des Z Chromosoms die anderen 39 Chromosomen ausser Acht zu lassen. Auf diesen Umstand weist der Übersetzer Dr. Arno Meyer aber in diesem Buch ausdrücklich hin, um eben diese Aussage Vansallens zu relativieren. Kann es sein, dass Herr Prof. Dr.-Ing. Wächter dies absichtlich überlesen hat, da es seiner Argumentationsfolge nicht dienlich gewesen wäre?

Und abschließend sind geschlechtsgebunden vererbte Leistungseigenschaften meines Wissens bei Brieftauben bis heute weder indentifiziert, noch nachgewiesen worden. Und so kann ich nur empfehlen, die Geschlechterfolge bei der Paarung nur als ein Hilfsmittel zu Nachverfolgung eines väterlichen Z-Chromosoms zu sehen. Nicht mehr und nicht weniger. Ebenso könnte man das Auftreten einer anderen dominanten Eigenschaft (z.B. der Schimmelfärbung) zur "Verfolgung" des Chromosomenstranges nutzen, auf dem das Gen hierfür sitzt. Was soll so etwas bringen, solange unbekannt ist, welche anderen Eigenschaften noch auf dem "verfolgten" Chromosom sitzen? Im Einzelfall mag die eine oder andere beobachtete Kopplung einer gewünschten Leistungseigenschaft mit der verfolgbaren Eigenschaft eine Hilfe sein, doch darf und kann man keine allgemeingültige Zuchtstrategie hierauf aufbauen!

Somit sollten Leser des Artikels von Herrn Prof. Dr.-Ing. Wächter sich die Zucht in Zukunft nicht schwerer machen, als sie ohnehin schon ist, und den Geschlechterwechsel bei der Verpaarung nicht ins Zentrum ihrer Zuchtbemühungen rücken. So etwas spielt, wenn überhaupt, nur eine sehr untergeordnete Rolle bei der Züchtung sehr guter Tauben. Und "Bruce Lowe" ist eine Meinung eines Pferdezüchters ohne Beleg, mehr nicht!



Noch ein Hinweis der ebenfalls zum Thema passt: An mancher Stelle (nicht im erwähnten Artikel) wird Wert auf die sogenannte Mutterlinie bei Tauben gelegt. Begründet wird dies durch Erbsubstanz, die sich nicht im Zellkern befindet, sondern in den Mitochondrien. Diese Erbsubstanz wird immer, und
zwar vollständig und unverändert, nur von der Mutter auf alle ihre Kinder übertragen. Dadurch führen alle Tauben die mitochondrale Erbsubstanz der Weibchen, die bei der klassischen Stammbaumdarstellung an der untersten "Kante" auftauchen. Es bleibt die Frage, ob man dieser Tatsache wesentliche Bedeutung zumessen sollte in der Zucht von Brieftauben, indem man versucht, bestimmte mitochondrale Erbsubstanz im Bestand zu erhalten.

Bis heute ist kaum etwas über die Funktionen der mitochondralen Erbsubstanz bekannt. Sehr umfangreich ist der genetische Code dort aber im Vergleich zum Zellkern nicht. Doch selbst wenn diese direkte Auswirkungen auf die Leistungseigenschaften einer Taube haben sollte, ist nach Jahrhunderten der Brieftaubenzucht und deren Selektion auf Leistung nicht zu erwarten, das wir heute noch "schlechter" mitochodraler Erbsubstanz einer Brieftauben begegnen. Bei jeder heute existierenden Taube wird man auf dieser untersten "Kante" des Stammbaumes irgendwann in der Vergangenheit (und sei es vor 30 Generationen!) auf eine herausragende Reisetäubin oder eine herausragende Zuchttäubin treffen. Und eben ihre mitochondrale Erbsubstanz konnte ja so "schlecht" nicht gewesen sein, und findet sich damit heute unverändert (von sehr selten auftretenden Mutationen einmal abgesehen) im Erbgut der betrachteten Gegenwartstaube.

Also, ich persönlich kann keine Notwendigkeit erkennen, auf die mitochondrale Erbsubstanz mehr Aufmerksamkeit, als auf alle anderen Gene zu legen. Nein, ganz im Gegenteil: Aufgrund der sehr hohen "Stabilität" dieser Erbsubstanz über -zig Generationen hinweg und der jahrhunderte langen Selektion, sehe ich bei Brieftauben sogar viele berechtigte Gründe, sie unberücksichtigt zu lassen.



Vielleicht wäre ein fachkompetentes Redigieren solcher Artikel, wie dem von Prof.Dr.-Ing. Wächter vor dem Abdruck z.B. durch Hr. Dr. Kamphausen oder Universitäten, mit denen der Verband in Sachen Forschung in Verbindung steht, für die Zukunft sinnvoll, damit derartig sachlich falsche, aber nach wissenschaftlicher Erkenntnis aussehende Artikel vermieden werden können. Und wenn dann noch häufiger wirkliche Fachartikel zum Thema Tauben erscheinen, könnte ich mir sogar vorstellen, irgendwann einmal "Die Brieftaube" nicht länger bei meinem Vater zu schnorren, sondern selber zu beziehen.

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